Irreale Behauptungen

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Irreale Behauptungen



"In den vorherigen Kapiteln war von "verwirrten Äußerungen“  die Rede, von dem, was der alte Mensch verloren hat und davon, was ihm geblieben ist, ebenso von Ernst nehmen, Annehmen und Anteilnahme sowie vom Begleiten.
Wie aber, so fragen sie sich vielleicht, soll ich es ernst nehmen, wenn mein Angehörige, mein Patient beharrlich behauptet, seine Brille seien weg, obwohl sie ihm mitten auf der Nase sitzt und es ihm vor dem Spiegel beweisen? Wie kann ich seine Meinung teilen, das Mittagessen sei vergiftet, wenn ich es selbst gekocht habe? Wie soll ich das rechte Wort finden, wenn ich immer nur beschuldigt werde, ich wolle nur sein Geld? Und wie kann ich ihn ernsthaft begleiten, wenn er Tag für Tag behauptet, sein vor Jahren gestorbener Hund liege unter seinem Bett?

Irreale Behauptungen gehören zu den schwierigsten Situationen bei der Begleitung altersverwirrter Menschen, insbesondere dann, wenn sie direkt auf Personen zielen, die sich mit ihnen die allergrößte Mühe geben. Das verletzt. Sie kochen mit Liebe ein schönes Mittagessen und müssen sich anhören, es sei vergiftet. Dann zeigen sie jede einzelne Kartoffel her, kosten vor, bitten, schimpfen und sind beleidigt, nichts wird ihre Angehörigen vom Gegenteil überzeugen, er wird auf keinen Fall von dem vergifteten Essen eine einzige Happen zu sich nehmen. Und jeden Tag das Gleiche.

Folgen wir der bisher vertrauter Annahme, dass altersverwirrte Menschen in erster Linie an seinen Verlusten zu arbeiten hat und dabei als Ausdrucksmittel sein Gefühl einsetzt, müssen wir jede einzelne verwirrt erscheinende Aussage und Handlung von dieser Annahme beleuchten."



"Das Essen ist vergiftet"


"Meine Brille ist weg"


"Meine Brieftasche / Schmuck / Lieblingskleid wurden gestohlen"


"Mein Hund ist nicht tot - er liegt vor dem Bett"