Inkontinenz und Scham

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Inkontinenz und Scham



Die Fähigkeit, die Ausscheidung willentlich zu steuern (Kontinenz) wird uns allen seit früher Kindheit antrainiert. Es ist eine gesellschaftliche Regel und gilt als ein Zeichen von Autonomie, sich willentlich, zur angemessenen Zeit und an einem dafür passenden Ort der Körperausscheidungen zu entledigen.
Diejenigen, die das nicht tun, verstoßen gegen die Regeln der Zivilisation; wer das nicht kann, der ist entweder in der Zivilisation noch nicht ganz angekommen (Kleinkinder) oder im Begriff, sie zu verlassen. Nicht mehr dazugehören zu dürfen, obwohl man das sehr gerne möchte, trifft uns im Kern unserer Persönlichkeit. Die Scham hilft uns dabei, gerade diesen Kern unserer Persönlichkeit zu schützen, unsere Gefühle und unsere Identität.
Der inkontinente Pflegebedürftige versucht zu verheimlichen, was ihm geschehen ist; dringen wir zu stark in seinen persönlichen Bereich ein und entdecken seine Schwäche, dann schämt er sich, was sich je nach Situation und Persönlichkeit in verschiedenen Erscheinungsformen ausrücken kann: beispielsweise als Niedergeschlagenheit, Wut oder Hilflosigkeit.

Um seinem Schamgefühl und der Abhängigkeit entgegenzuwirken, entwickelt der Pflegebedürftige Strategien: verschweigen, ständig auf die Toilette gehen zu wollen und wenig trinken.

Ein Leben mit Inkontinenz – wie sieht das aus?